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Künstler, Kiffer und Klingonen

Rund um dieses merkwürdig zusammengewürfelte Trio hat Dietmar Krug seinen Roman „Mehr Freiheit“ aufgebaut. Im Wesentlichen handelt der Roman von Burkhard Van der Waiden, einem, wie der Autor, in Wien lebenden Deutschen und dessen Familie. Wenn ein in Wien lebender Deutscher auszieht, um einen Roman zu schreiben, dann birgt diese Konstellation ohnehin einiges Potential. Dieses wird dann auch voll ausgeschöpft, wenn feiner Humor und unterhaltsame Geschichten aufeinander treffen.

Schon mit seiner Kolumne „Diese Deutschen“, die regelmäßig in „Die Presse“ erscheint, beweist er immer wieder, dass er über eine überaus feine Feder und eine nicht minder feine Beobachtungsgabe verfügt. Eben jene Beobachtungsgabe ist es auch, die diesen Roman so lesenswert macht. Eingebettet in die Vorbereitungen für einen wissenschaftlichen Kongress, erzählt uns der Autor durchaus erheiternd die Familiengeschichte der Van der Weidens.

Burkhard Van der Weiden, seines Zeichens Philosoph, hat die 50 bereits überschritten und ist sich bewusst, dass der Kongress die wohl letzte Möglichkeit sein wird, endlich einen festen Lehrstuhl zu ergattern. Für ihn selbst ist dies wohl eher von geringerer Bedeutung als für die Eltern seiner Frau Lisa. Diese stammt aus gutbürgerlichem Haus und muss dementsprechend immer wieder das Tun ihres Mannes, oder besser gesagt das Nicht-Tun, gegenüber ihren Eltern erklären und Kommentare dazu ertragen.

Komplettiert wird die Familie von Tochter Sarah, die sich mit der Hoffnung auf eine steile Gesangskarriere die Brüste vergrößern ließ, und Sohn Moritz, dessen schulische Probleme auf Grund unzähliger Stunden in Star-Trek-Sessions ohnehin schon groß genug sind, und durch die aufflammende Zuneigung zu seiner Klassenkameradin Nina und Marihuana noch verstärkt werden. Die Zuneigung zu Marihuana teilen Vater und Sohn, jedoch nie gemeinsam. Dem Vater dient der Joint neben der wiederkehrenden Entspannung auch als Vorbereitung auf ein Künstlertreffen, welches er auf Wunsch seiner Frau besuchen muss, um ihr wiederum bei der Entwicklung ihrer Galerie zu helfen.

Die ohnehin angespannten Familienverhältnisse zwischen Schulpsychologin, finanzieller Unterstützung der Schwiegereltern und einer Tochter, die sich weiß Gott wo herum treibt, wird durch eine demente Mutter noch zusätzlich belastet: Eine Mutter, die durch ihren latenten Verfolgungswahn und die Entdeckung der Rückruftaste auf ihrem Telefon Van der Weiden zu immer neuen Ausflüchten treibt.

Am Ende sind es dann nicht die beiden Hauptakteure des Kongresses, Habermas und Sloterdijk, die den namensgebenden Impuls für diesen Roman liefern, sondern eben jene Mutter. Ebenso eindrucksvoll wie simpel erklärt sie ihren Wunsch nach „Mehr Freiheit“, dem nicht nur die Romanfiguren anhängen, sondern letztlich wohl ein jeder von uns.

Dietmar Krug, Mehr Freiheit, Otto Müller Verlag Salzburg, € 22,00

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