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Die Debatte um die Hymne schadet dem Feminismus

Nun haben wir den Salat! Der selbsternannte Volks Rock’n Roller Andreas Gabalier hat die Österreichische Bundeshymne in der alten Version gesungen, offenbar bewusst und mit Absicht. Das halte ich persönlich für unangebracht, zu offiziellen Anlässen gehört jener Text gesungen, der gesetzlich festgelegt ist. Wir sind ja nicht im Bierzelt, wo jeder Depp(einer davon bin ich übrigens selbst recht gerne) dreistimmig – also laut, falsch und mit Begeisterung – Lieder mitgrölen kann, ohne auf Text oder Einsatz achten zu müssen.

Den wahren Offenbarungseid leistet Gabalier allerdings mit seinen Aussagen zu diesem Thema. Er habe die Hymne mit 8 Jahren so gelernt und sieht keine Veranlassung, sie anders zu singen. Nun ja, ich habe auch mit 8 Jahren (also 1988) so einiges in der Schule gelernt – unter anderem, dass es folgende Staaten gibt: Deutsche Demokratische Republik, Union der Sozialistischen Sowjet Republiken, Jugoslawien, Tschechoslowakei. Keiner davon existiert heute noch, die Welt verändert sich und man darf durchaus im Leben auch mal neue Dinge lernen.

Die Österreichische Bundeshymne hat in ihrer ursprünglichen Form nur von „großen Söhnen“ gesprochen, es ist wohl selbstredend, dass wir in Österreich auch auf die Leistung unserer Töchter stolz sein können. Egal, wohin man blickt – Sport, Politik, Kultur und insbesondere im Alltag – findet man zahlreiche Frauen, auf die wir als Österreicherinnen und Österreicher stolz sein können. Deshalb finde ich es angebracht, dass man im 21. Jahrhundert dies auch in der Bundeshymne verankert – ob das auf diese Art und Weise hätte erfolgen müssen, ich würde das nicht unterschreiben.

Allerdings halte ich die Würdigung von Frauen für nicht so unwichtig wie gerne getan wird. Der oftmals vorgebrachte Einwand: „Wir haben doch wichtigere Dinge zu lösen“ – ist natürlich leicht gesagt. Zwei Dinge möchte ich dem entgegenhalten: erstens, wenn man immer sagt, man habe wichtigere Probleme zu lösen, dürfte sich jede Regierung nur mehr mit Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Wohnraumfragen beschäftigen, weil alles andere „unwichtig“ wäre; zweitens, wenn es denn offenbar nicht wichtig ist und wir uns alle einig sind, dass Frauen einen wesentlichen Beitrag zum Wohl unserer Gesellschaft leisten, dann kann man ja wohl auch die Hymne so singen.

Warum behaupte ich aber dann, dass die Debatte dem Feminismus schadet? Weil sie es tut, und ich persönlich finde das richtig und wichtig.

Zum einen ist Feminismus nicht gleichzusetzen mit Gleichberechtigung. Zum anderen bin ich der Meinung, wenn man Dinge erreichen möchte und gute Argumente dafür hat, wird man sich mit Überzeugungsarbeit immer durchsetzen. Und gerade hier läuft in jeder feministisch geprägten Debatte einiges falsch. Beispielhaft möchte ich aus einem offenen Brief der „Grünen Frauen Wien“ an Andreas Gabalier zitieren:

„Ihre Weigerung, die aktuelle Version der österreichischen Bundeshymne zu singen, in welcher auch die historischen Leistungen der Frauen gewürdigt und somit auch die Töchter „besungen“ werden, ist nicht akzeptabel.
Der aktualisierte Text und Melodie der Hymne wurde Ende 2011 mit einem Gesetzesbeschluss des Nationalrats festgelegt. Die bisherige Version basierte auf einem Regierungsbeschluss.
Ist Ihnen die neue Version bzw. dieser Gesetzesbeschluss nicht bekannt? Oder haben Sie diesen willkürlich ignoriert? Wenn das der Fall sein sollte, ersuchen wir um eine Klarstellung, aus welchem Grund Sie Gesetzesbeschlüsse umgehen.“

Wenn das einzige Argument, das vorgebracht wird, ein juristisches ist, dann hat Gabalier alles richtig gemacht. Dann ist diese Änderung nicht mehr wert als das Papier auf dem das Gesetz steht, und das ist traurig.

Faktum ist, Sprache lebt auch von ihrer Lesbarkeit und ihrem Klang, wie so oft wird – meiner Meinung nach zu recht – in der Debatte um „geschlechtergerechte Sprache“ das Argument angeführt, es klinge einfach scheiße. Und ich teile diese Meinung, bei mir um die Ecke steht ein Parkhinweis, der mit Schrägstrichen und angehängten Buchstaben geschlechtergerecht formuliert wurde, wer den lesen will braucht 5 Minuten Zeit. Da finde ich es für die Gleichbehandlungsfrage wesentlich wichtiger, wenn wie jüngst bei der Werbung der Firma Hofer, Männer am Bügelbrett stehen. Nicht jede Maßnahme zur Sichtbarmachung von Frauen ist zwangsläufig gut und sinnvoll. Und den Feministinnen täte es wahrlich gut, endlich zu erkennen, was sinnvoll und wichtig ist. Der Rest kommt nämlich dann schneller als man denkt. Denn wenn bei einem nicht unwesentlichen Teil der Bevölkerung der aktuelle „Vorfall“ dazu führt, dass man sich über die Änderung und die Initatorinnen lustig macht, ihnen mit Spott und teilweise Hass und Verachtung begegnet, dann hat man wahrlich viel erreicht, aber nicht, dass die Bevölkerung die Leistungen von Frauen schätzt und anerkennt, was ja das eigentlich Ziel einer solchen Änderung sein sollte. In so einem Fall sollte man auch einmal selbstkritisch über die eingeschlagenen Wege nachdenken. Der Zweck heiligt nämlich nicht alle Mittel.

Wie wichtig es wäre, wirkliche Überzeugungsarbeit zu leisten, möchte ich anhand einiger Facebook-Kommentare auf der Seite von Heinz-Christian Strache dokumentieren:

„Diese I Tüpfchenreiter liebe ich. Ich als Frau sage nur : Das ist sehr peinlich.Da reitet man nicht auf so etwas herum.Ist doch lächerlich.Waren es nicht die Söhne die für’s Vaterland gekämpft haben?“ – Martina Soritz

„Ich finde es gehöhrt „großer Söhne“ weil im die söhne damals in den krieg gezogen sind und nicht die töchter“ – Berni Bruckner

„Hat ein anderes Land seine Hymne geändert? Sicher nicht. ..nur Österreichische Politiker haben scheinbar nichts anderes zu zun“ – Petra Pansold (Anmerkung meinerseits, frag doch mal in Deutschland nach)

Dass da nun natürlich ein paar Argumente dabei sind, die sich selbst richten und wieder einmal beweisen, dass es wohl eine kausale Verbindung zwischen intellektueller Überschaubarkeit und Unterstützung für die FPÖ gibt, braucht man wohl nicht hinzufügen.

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Eine Antwort zu “Die Debatte um die Hymne schadet dem Feminismus

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