RentonMarc's Blog

Just another WordPress.com site

Kategorie-Archiv: Bildung

Türkisch-Matura ist ein Gebot der Stunde

Derzeit wird in Österreich wieder einmal über die Einführung von Türkisch als Maturasprache gesprochen. Wie immer läuft die Diskussion in falschen Bahnen. Nein, liebe FPÖ-Wähler und -Sympathisanten, Türkisch wird Deutsch nicht bei der Matura ersetzen, sondern eine weitere lebende Fremdsprache sein, die man neben Englisch (Spanisch, Italienisch, …) erlernen kann. Dieser Beitrag soll euch den Hintergrund etwas näherbringen.

Kommen wir also zu den Fakten: Wer in Österreich seine Matura macht, muss in der Regel zwei lebende Fremdsprachen können, d.h. zumindest mehrere Jahre in der Schule unterrichtet worden sein. Je nach Fächerauswahl muss man auch in einer zweiten lebenden Fremdsprache seine Maturaprüfung ablegen. Nun soll es eben auch in Zukunft möglich sein, Türkisch als zweite lebende Fremdsprache zu lernen. Brauchen wir das? Ich meine ja.

Die Türkei ist bereits jetzt ein wesentlicher Handelspartner Österreichs. Von 2009 bis 2011 waren österreichische Unternehmen die größten Investoren in der Türkei, sieht man sich den Zeitraum von 2002 bis 2011 an, kann man feststellen, dass Österreich an 4. Stelle liegt. Um das Zahlenspiel abzukürzen: die Türkei ist ein wichtiger Wirtschaftspartner Österreichs, ich brauche kein Prophet zu sein um zu sagen, dass ein Land, welches fast 80 Millionen Einwohner hat, eher an Bedeutung gewinnen wird als an Bedeutung zu verlieren. Soll heißen – österreichische Unternehmen werden in Zukunft Angestellte brauchen, die Türkisch können.

Derzeit kann man in Österreich u.a. Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch oder auch Slowenisch als lebende Fremdsprache für die Matura lernen. Angesichts einer sich wandelnden Welt gehört es zu den Herausforderungen einer Gesellschaft sich anzupassen. Dazu gehört es auch, „neue“ Sprachen zu lernen. Es ist wohl jedem klar, dass in einer globalisierten Welt Sprachkompetenzen immer mehr gefragt sind, das heißt mittelfristig wird nur erfolgreich sein, wer in der Lage ist, auf den internationalen Märkten zu bestehen. Wenn wir als Europäer und Österreicher in Zukunft erfolgreich sein und wirtschaftlich nicht den Anschluss verlieren wollen, müssen wir in der Lage sein, internationalen Handel zu betreiben, und die Sprache ist nun mal notwendig, um sich zu verständigen.

Die Türkei und ihre Sprache ist dabei nur ein erster Zwischenschritt, denn man darf sich schon jetzt Gedanken machen, ob man nicht in ausgewählten Schultypen und -zweigen Arabisch und/oder Chinesisch anbieten sollte. Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, dass es in Urlaubsregionen wie Zell am See durchaus Sinn macht, dass die Hotelangestellten dort neben Englisch auch Russisch oder Arabisch sprechen.

Dass wir heute mehr Sprachen und andere Sprachen lernen als unsere Eltern und Großeltern ist ein logischer Prozess. Diese Entwicklung und die damit verbundenen Chancen sollten wir wahrnehmen und nicht aus irgendwelchen absurden ideologischen verbohrten Gründen Angst davor haben.

In diesem Sinn:
„Bir lisan, bir insan. Iki lisan, iki Insan.“ – „Eine Sprache, ein Mensch. Zwei Sprachen, zwei Menschen.“

PS: Nur mal so zum Nachdenken: Wenn wir wollen, dass Zuwanderer Deutsch lernen, dann können sie dies wohl am besten nachweisen wenn sie die Matura haben. Und da ist Deutsch immer noch Grundvoraussetzung, egal welche sonstigen Fächer gewählt werden.

Advertisements

Johann und Alexander – eine Liebesbeziehung

Hans Krankl. Krankl. Sechs Buchstaben, und jeder Fußballfan in Österreich weiß worum es geht. Er, der Goleador, ein Mittelstürmer wie er im Buch steht, nein diese Worte müssen als ungenügend abgetan werden, für ihn hätte dieses Wort erfunden werden sollen. Als Stürmer war er derart begnadet, dass es ihn bis nach Katalonien und von dort nach ganz Europa verschlagen hat, dort beim großen FC Barzelona (wie er es immer so charmant betont) ist er noch heute ein Idol. Dort steht sein Name in voller Pracht neben Fußballgrößen wie Cruyff, Linecker und Messi.

Aber nicht nur bei den Anhängern des FC Barcelona, auch bei Rapid (Deinem Herzensklub) und Austria Salzburg (meinem Herzensklub) sind Deine Tore unvergessen. Das größte Denkmal steht wohl im argentinischen Cordoba, die WM 78 wird dem österreichischen Fußballfan ewig in Erinnerung bleiben.

Als Trainer blieb ihm diese Weltkarriere stets versagt. Was hat er nicht alles probiert: Mödling, Rapid, Austria Salzburg, Fortuna Köln,… die Liste ist ebenso lang wie erfolglos. Doch auch hier hat er Spuren hinterlassen, aber eben eher die verbalen. „Irreregulär“ war das damals in Belfast.

Ein Spruch dürfte wohl, zumindest beim ORF, stärker in Erinnerung bleiben. Wie war das damals, als Du das Bildungsprogramm retten wolltest: „Die sollen kürzen die Mathematik-Stund! Wer braucht Latein? Schwachsinn!

In Österreichs Bildungssystem wurdest Du zumindest teilweise erhört, die Bundesregierung bemüht sich um eine tägliche Turnstunde. Der vernünftige Teil Deiner Forderung fand also durchaus Anklang.
Der unvernünftige Teil Deiner Forderung leider auch. Und zwar vom Generaldirektor des ORF. Farblos, langweilig und unbedeutend präsentiert sich Alexander Wrabetz, gerade eben wie der ORF unter seiner Führung. Nun ist er Dir also um den Hals gefallen und hat sich mit Dir ins Bett geworfen, das Ergebnis ist ebenso ernüchternd wie kleingeistig. Im Rahmen der nächsten Programmreform soll einer der bedeutendsten Kulturpreise, den wir in Österreich haben, geopfert werden.

Der ORF hat verkündet, den Ingeborg-Bachmann-Preis nicht mehr zu produzieren. Die Produktionskosten von 350.000 seien einfach zu hoch. Lassen wir das für ein paar Augenblicke sickern…

Im ORF finden sich zahlreiche Programmpunkte, die ein x-faches davon verschlingen. Formel I, Fußball, oder auch Dancing Stars – die Liste der Geldverbrennungsprogrammpunkte ist lang, viel zu lang. Um es deutlich zu machen: wenn Fernando Alonso über die Ziellinie fährt und sich über seine Siegprämie freut, dann haben wir alle, die Gebührenzahler, diese mitfanziert. Das gleiche galt für die Fußballmillionäre aus den diversen europäischen Topligen, die über die Jahre durch österreichische Fernsehgebühren mitfinanziert wurden.

Gebühren, deren Zweck eigentlich ein anderer wäre. Und in diesem Zweck steht die Kultur immer noch vor der Unterhaltung, wobei man natürlich einwerfen muss, dass Kultur auch Unterhaltung sein kann, Unterhaltung aber nicht zwangsläufig Kultur.

Wie auch immer: der Bachmann-Preis und die Debatte zeigt nur eines, Herr Wrabetz, und das ist ein tiefer Einblick in Ihren geistigen Horizont, und der dürfte kaum größer ausfallen als die Kreise, die Formel-I-Piloten am Sonntagnachmittag ziehen.

%d Bloggern gefällt das: