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Kategorie-Archiv: Gleichberechtigung

Die Aufregung über #einearmlaenge

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat mit ihrer Aussage „eine Armlänge Abstand halten“ für den ersten Aufreger des Jahres gesorgt, schnell ging es unter dem Hashtag #einearmlaenge zur Sache. Natürlich hat sich die gute Dame mit Anlauf in ein Fettnäpfchen gesetzt, die Aussage im Detail bietet nämlich genügend Angriffspunkte. Wenn die erste Aufregung darüber verschwunden ist, sollte man die Frage, ob Frauen Sicherheitsregeln in der Öffentlichkeit brauchen, schon einer näheren Betrachtung unterziehen.

Wer sich nur wenige Minuten Gedanken darüber macht, wird schnell feststellen: Ja – in unserer Gesellschaft ist es für Frauen überaus sinnvoll, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und ein Mindestmaß an Sicherheitstipps zu berücksichtigen. Und das ist traurig genug.

Auf Twitter hatte ich geschrieben: „Wer sich über ‪#‎einearmlaenge‬ aufregt, sollte sich mal fragen, warum wir in Tiefgaragen die Frauenparkplätze in der Nähe des Eingangs bauen?“

Da ich sowohl auf Twitter als auch Facebook einige Rückmeldungen erhalten habe, bedarf dieser Tweet wohl einer ausführlicheren Erklärung.

Liebe Leute, es geht mir mit diesem Beitrag einzig und allein darum, dass sich Frauen nicht erst seit Köln an Sicherheitstipps halten. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir eben Frauenparkplätze in Tiefgaragen möglichst nahe am Eingang bauen, weil es genügend Arschlöcher gibt, die diese unübersichtliche und bedrohliche Enge einer Tiefgarage ausnützen. Die Liste an Maßnahmen lässt sich wohl unendlich ergänzen, so sieht man etwa in der Nacht kaum Frauen, die Taxis lenken, und die Spätschichten in Fitnessstudios und Videotheken übernehmen in der Regel auch die männlichen Kollegen. Verantwortungsbewusste Eltern fahren jedes Wochenende kreuz und quer durch die Gegend um (hauptsächlich) ihre Töchter von der Disco oder dem Volksfest abzuholen und sicher nach Hause zu bringen.

Das alles wird gemacht, weil leider zu viel passiert. Verhaltensregeln für Frauen sind also keine Erfindung der Kölner Oberbürgermeisterin, sondern schon längst gelebte Realität.

Wenn sich nun die Aufregung um Köln und die Silversternacht 2015/16 gelegt hat, wäre es schön, wenn alle, die sich jetzt über die Täter aus dem „arabischen oder nordafrikanischen Raum“ echauffiert haben und harte Strafen fordern, bei der nächsten Gelegenheit, wenn in ihrem Umfeld Bedienungen angegrapscht werden (man erinnere sich nur an die Debatte um den sogenannten Grapsch-Paragraph in Österreich), Frauen an Bushaltestellen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln bedrängt werden, ihre frische gewonnene Zivilcourage und ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt an Frauen dazu nutzen, einzuschreiten und den Frauen zu helfen.

Artikel der Stunde #4

Heute steht ein ganz anderes Ziel im Mittelpunkt: dass Frauen sich ihres Grundrechts bewusst werden, ihr Leben nach ihren Vorstellungen gestalten zu können, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Ganz gleich, ob sie sich dafür entscheiden, lieber zu Hause zu bleiben und ihre Kinder aufzuziehen, eine berufliche Karriere hinzulegen oder kinderlos glücklich zu sein. In keinem dieser Fälle ist die Frau eine Anti-feministin – weil die Klärung dieser Fragen gar nichts mit Feminismus zu tun hat. Es handelt sich lediglich um eine persönliche Lebensentscheidung. Dass diese von beiden Geschlechtern getroffen werden kann: Das ist Feminismus. Schließlich sollen Männer und Frauen auf Augenhöhe agieren sowie das Recht auf gleichen Zugang und die gleichen Möglichkeiten haben.

Streitschrift zum Feminismus: Was denn nun?

Artikel der Stunde #3

  1. Glaub an Dich und Du kannst alles schaffen.
  2. Es ist in Ordnung, traurig zu sein.
  3. Setz Dich für Deine Ansichten ein, aber respektiere auch andere Meinungen.
  4. Es ist keine Schande ZweiteR zu sein.
  5. Folge Deinen Leidenschaften, auch wenn Du Rückschläge erlebst.
  6. Hab Spaß und sei albern.

Lady T, Von Lisa Simpson lernen

Ich finde es ist eine wirklich schöne Liste und ich persönlich würde mir wünschen es gäbe auf dieser Welt mehr Frauen und Mädchen wie Lisa Simpson und Pippi Langstrumpf.

 

Artikel der Stunde #2

Was folgt noch? Ein Sportler vielleicht, der sich gegen die eigentragene Partnerschaft von Homosexuellen stark macht, weil er es einst „gelernt“ hat, dass nur Heterosexuelle das „Wörterl Ja“ sagen dürfen? Oder vielleicht ein Schauspieler, der erklärt, zweisprachige Ortstafeln in Österreich gehören weg, weil Minderheitenrechte nicht durch „ein Schilderl“ ausgedrückt werden sollen?

Diese Vergleiche hinken, keine Frage, schon allein weil ein Privatmann hier kaum „zivilen Ungehorsam“ zeigen kann. Sie passen aber doch durchaus zu Gabaliers Sichtweise, denn für beide Beispiele würde sich österreichweit wahrscheinlich eine Mehrheit finden lassen – und auch die poltischen Lager würden bei diesen Themen exakt wie in der aktuellen Bundehymne-Debatten sofort ihre bekannten Positionen beziehen.
Unbestritten ist jedoch wohl: Zweisprachige Ortstafeln sind viel mehr als nur Verkehrsschilder und ein „Ja“ am Standesamt ein wichtiger Schritt zur Gleichstellung von Homo- mit Heterosexuellen – zumindest einmal vor dem Gesetz.

Michael Reichelt, Die Hymne ist kein „Stückerl Musik“

Artikel der Stunde #1

In unregelmäßigen Abständen werde ich in Zukunft Artikel oder Beiträge dich ich zu aktuellen Themen besonders passend finde auf diesem Weg teilen und kommentieren.

Man muss nicht ihrer Meinung sein. Das darf und soll und kann man natürlich auch sagen.
Aber der Dreck, der jetzt durch die Foren fliegt, ist ein Armutszeugnis für dieses Land.

Euke Frank, Wie „oasch“ kann man eigentlich kommunizieren?

Was ich von der Debatte um die Hymne halte, habe ich vor einigen Tagen bereits erläutert. Was aber nun passiert ist wahrlich ein Armutszeugnis für dieses Land.

Die Debatte um die Hymne schadet dem Feminismus

Nun haben wir den Salat! Der selbsternannte Volks Rock’n Roller Andreas Gabalier hat die Österreichische Bundeshymne in der alten Version gesungen, offenbar bewusst und mit Absicht. Das halte ich persönlich für unangebracht, zu offiziellen Anlässen gehört jener Text gesungen, der gesetzlich festgelegt ist. Wir sind ja nicht im Bierzelt, wo jeder Depp(einer davon bin ich übrigens selbst recht gerne) dreistimmig – also laut, falsch und mit Begeisterung – Lieder mitgrölen kann, ohne auf Text oder Einsatz achten zu müssen.

Den wahren Offenbarungseid leistet Gabalier allerdings mit seinen Aussagen zu diesem Thema. Er habe die Hymne mit 8 Jahren so gelernt und sieht keine Veranlassung, sie anders zu singen. Nun ja, ich habe auch mit 8 Jahren (also 1988) so einiges in der Schule gelernt – unter anderem, dass es folgende Staaten gibt: Deutsche Demokratische Republik, Union der Sozialistischen Sowjet Republiken, Jugoslawien, Tschechoslowakei. Keiner davon existiert heute noch, die Welt verändert sich und man darf durchaus im Leben auch mal neue Dinge lernen.

Die Österreichische Bundeshymne hat in ihrer ursprünglichen Form nur von „großen Söhnen“ gesprochen, es ist wohl selbstredend, dass wir in Österreich auch auf die Leistung unserer Töchter stolz sein können. Egal, wohin man blickt – Sport, Politik, Kultur und insbesondere im Alltag – findet man zahlreiche Frauen, auf die wir als Österreicherinnen und Österreicher stolz sein können. Deshalb finde ich es angebracht, dass man im 21. Jahrhundert dies auch in der Bundeshymne verankert – ob das auf diese Art und Weise hätte erfolgen müssen, ich würde das nicht unterschreiben.

Allerdings halte ich die Würdigung von Frauen für nicht so unwichtig wie gerne getan wird. Der oftmals vorgebrachte Einwand: „Wir haben doch wichtigere Dinge zu lösen“ – ist natürlich leicht gesagt. Zwei Dinge möchte ich dem entgegenhalten: erstens, wenn man immer sagt, man habe wichtigere Probleme zu lösen, dürfte sich jede Regierung nur mehr mit Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Wohnraumfragen beschäftigen, weil alles andere „unwichtig“ wäre; zweitens, wenn es denn offenbar nicht wichtig ist und wir uns alle einig sind, dass Frauen einen wesentlichen Beitrag zum Wohl unserer Gesellschaft leisten, dann kann man ja wohl auch die Hymne so singen.

Warum behaupte ich aber dann, dass die Debatte dem Feminismus schadet? Weil sie es tut, und ich persönlich finde das richtig und wichtig.

Zum einen ist Feminismus nicht gleichzusetzen mit Gleichberechtigung. Zum anderen bin ich der Meinung, wenn man Dinge erreichen möchte und gute Argumente dafür hat, wird man sich mit Überzeugungsarbeit immer durchsetzen. Und gerade hier läuft in jeder feministisch geprägten Debatte einiges falsch. Beispielhaft möchte ich aus einem offenen Brief der „Grünen Frauen Wien“ an Andreas Gabalier zitieren:

„Ihre Weigerung, die aktuelle Version der österreichischen Bundeshymne zu singen, in welcher auch die historischen Leistungen der Frauen gewürdigt und somit auch die Töchter „besungen“ werden, ist nicht akzeptabel.
Der aktualisierte Text und Melodie der Hymne wurde Ende 2011 mit einem Gesetzesbeschluss des Nationalrats festgelegt. Die bisherige Version basierte auf einem Regierungsbeschluss.
Ist Ihnen die neue Version bzw. dieser Gesetzesbeschluss nicht bekannt? Oder haben Sie diesen willkürlich ignoriert? Wenn das der Fall sein sollte, ersuchen wir um eine Klarstellung, aus welchem Grund Sie Gesetzesbeschlüsse umgehen.“

Wenn das einzige Argument, das vorgebracht wird, ein juristisches ist, dann hat Gabalier alles richtig gemacht. Dann ist diese Änderung nicht mehr wert als das Papier auf dem das Gesetz steht, und das ist traurig.

Faktum ist, Sprache lebt auch von ihrer Lesbarkeit und ihrem Klang, wie so oft wird – meiner Meinung nach zu recht – in der Debatte um „geschlechtergerechte Sprache“ das Argument angeführt, es klinge einfach scheiße. Und ich teile diese Meinung, bei mir um die Ecke steht ein Parkhinweis, der mit Schrägstrichen und angehängten Buchstaben geschlechtergerecht formuliert wurde, wer den lesen will braucht 5 Minuten Zeit. Da finde ich es für die Gleichbehandlungsfrage wesentlich wichtiger, wenn wie jüngst bei der Werbung der Firma Hofer, Männer am Bügelbrett stehen. Nicht jede Maßnahme zur Sichtbarmachung von Frauen ist zwangsläufig gut und sinnvoll. Und den Feministinnen täte es wahrlich gut, endlich zu erkennen, was sinnvoll und wichtig ist. Der Rest kommt nämlich dann schneller als man denkt. Denn wenn bei einem nicht unwesentlichen Teil der Bevölkerung der aktuelle „Vorfall“ dazu führt, dass man sich über die Änderung und die Initatorinnen lustig macht, ihnen mit Spott und teilweise Hass und Verachtung begegnet, dann hat man wahrlich viel erreicht, aber nicht, dass die Bevölkerung die Leistungen von Frauen schätzt und anerkennt, was ja das eigentlich Ziel einer solchen Änderung sein sollte. In so einem Fall sollte man auch einmal selbstkritisch über die eingeschlagenen Wege nachdenken. Der Zweck heiligt nämlich nicht alle Mittel.

Wie wichtig es wäre, wirkliche Überzeugungsarbeit zu leisten, möchte ich anhand einiger Facebook-Kommentare auf der Seite von Heinz-Christian Strache dokumentieren:

„Diese I Tüpfchenreiter liebe ich. Ich als Frau sage nur : Das ist sehr peinlich.Da reitet man nicht auf so etwas herum.Ist doch lächerlich.Waren es nicht die Söhne die für’s Vaterland gekämpft haben?“ – Martina Soritz

„Ich finde es gehöhrt „großer Söhne“ weil im die söhne damals in den krieg gezogen sind und nicht die töchter“ – Berni Bruckner

„Hat ein anderes Land seine Hymne geändert? Sicher nicht. ..nur Österreichische Politiker haben scheinbar nichts anderes zu zun“ – Petra Pansold (Anmerkung meinerseits, frag doch mal in Deutschland nach)

Dass da nun natürlich ein paar Argumente dabei sind, die sich selbst richten und wieder einmal beweisen, dass es wohl eine kausale Verbindung zwischen intellektueller Überschaubarkeit und Unterstützung für die FPÖ gibt, braucht man wohl nicht hinzufügen.

Zitat des Tages

Mein heutiges Zitat des Tages:

Ich schaue mir doch Mattersburg gegen Kapfenberg auch nicht  an

Diesen treffenden Satz hab ich heute als Antwort auf die Frage ob wir uns das heutige Spiel der deutschen Damennationalmannschaft gegen Kanda anschauen wollen, bekommen. Mit diesem Satz ist eigentlich alles gesagt, für mich der treffendste und ehrlichste Vergleich zur Frauen-Fußball-WM. Damit werde ich mich nun auch hoffentlich für die nächsten Tage von diesem Thema verabschieden.

Eine Fußball-WM die mich nicht interessiert

Heute muss ich mal meinen Senf zur Frauen-WM loswerden.. Zum einen wird bei uns im Forum zumindest darüber gepostet und zum anderen hab ich einen Artikel auf diestandard gelesen der mich wieder mal unendlich aufgeregt hat.

Vorneweg muss ich eine Sache klar stellen. Ich halte die grundsätzlichen Anliegen des Feminismus; Gleichberechtigung, Selbstbestimmung, etc für absolut unterstützenswert. Allerdings nicht um jeden Preis.

Für mich ist Frauen-Fußball etwas ganz Normales. Es steht für mich wie alle anderen Sportarten im Wettbewerb um meine Aufmerksamkeit. Diese bekommt eine Sportart von mir wenn sie spannende, schnell, attraktiv, lustig, etc ist oder ich emotional verbunden bin. Frauen-Fußball hat bisher bei mir wenig Aufmerksamkeit bekommen, weil jeder Versuch auf Grund der mangelnden Spielgeschwindigkeit bisher zum Scheitern verurteilt war. Das gilt, ausser bei der Austria, im übrigen auch in der Regel für unterklassigen Fußball. Emotional verbindet mich wenig mit diesem Sport, deshalb schaue ich so gut wie nie, zu Letzt das Halbfinale der Frauen-Champions-Leaque. Was mich wahrscheinlich eh schon wieder zu einem überdurchschnittlich Interessierten macht.

Der Artikel auf diestandard hat mich insofern aufgeregt, weil in diese Sportart etwas hinein interpretiert wird das nicht vorhanden ist. Diese Sportart ist kein Statement, sondern etwas ganz Normales. In diesem Zusammenhang sollten auch die normalen Regeln der Werbung, der Aufmerksamkeit und des Sports gelten. Zum Glück beendet die Autorin ihren Artikel mit der Frage: „Aber warum sollen wir Feministinnen die Frauenfußball-WM dann bitteschön noch abfeiern?“ Ich kann es beantworten, gar nicht. Ihr sollt sie abfeiern weil euch der Sport gefällt oder sie eben nicht abfeiern weil er das nicht tut.

Mich ärgert dieser Artikel aus mehreren Gründen zum einen wird von den Frauen die Fußball spielen etwas verlangt wofür sie überhaupt nicht stehen. Leute, besser gesagt Leutinnen, die wollen kicken nicht mehr und nicht weniger. Die haben irgendwann in deren Jugend damit angefangen und sich über Vereine und hartes Training zur Weltspitze hoch gearbeitet.

Zweitens wird in dem Artikel irgendwie suggeriert, Feministinnen unterstützen Frauenfußball in dem Moment nicht mehr in dem sich bemerkbar macht, dass es für die „gemeinsame feministische Sache“ nicht hilfreich ist. Für mich heißt das eigentlich, es werden die Frauen nur unterstütz weil sie mit dem Frauenfußball ein feministisches Statement abgeben und nicht weil Feministinnen Interesse am Sport haben. Was ich persönlich eigentlich für eine unglaubliche Frechheit halte, klingt ein wenig nach der Achse des Bösen.

Wenn sich die Autorin des Artikels also über das Playboy-Shooting aufregt ist die Frage angebracht, ist das nicht genau die Wahlfreiheit die ihr immer propagiert? Wie war das „mein Körper, meine Entscheidung“? Ach ja, wenn die Wahlfreiheit dann zu etwas unfeministischem führt sind wir nicht mehr dafür.

Über manche Forderungen und Ideen der Feministinnen könnte ich mich sowieso stundenlang aufregen, will ich aber nicht. Viel mehr möchte ich auf eine wirklich gelungen Aktion einer befreundeten Landtagsabgeordneten in Salzburg und die Reaktion darauf aufmerksam machen.

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