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Kategorie-Archiv: Umwelt

Der Tempo-80-Vorstoß

Die Grünen in Salzburg haben wieder einmal in ein Wespennest gestoßen. Die Landeshauptfrau-Stellvertreterin Astrid Rössler schlägt Tempo 80 auf der Stadtautobahn vor. Die Argumente reichen von Lärmreduktion, Verbesserung der Abgaswerte, erhöhter Verkehrssicherheit bis hin zu EU-Klagen.

Dieser Lösungsansatz ist für mich ein typisch Grüner. Grün deshalb, weil meine bisherige Wahrnehmung von Grüner Politik oftmals folgende ist: Ohne den Blick auf die Gesamtproblematik zu richten und das Problem nachhaltig zu lösen, versucht man, die Bedürfnisse von Anrainern zu befriedigen und zwar unabhängig davon welche weiteren Auswirkungen dies hat.

Am Beispiel dieses Vorschlags lässt sich dies meiner Meinung nach gut darstellen. Das Gebiet rund um den Autobahnknoten Salzburg Mitte ist geprägt von einem unglaublichen Verkehrsaufkommen, die Haupteinfahrt nach Salzburg, die Ausfahrt in Richtung Freilassing, der Anschluss an die bevölkerungsreichen Stadtteile Liefering und Lehen, all diese Faktoren machen das Gebiet rund um die Autobahnauffahrt Salzburg Mitte zu einem der verkehrsträchtigsten des gesamten Stadtgebiets. Dass dieser Zustand nicht erfreulich ist, braucht man wohl niemandem erklären.

Nun zum konkreten Vorschlag. Er scheint verlockend: Eine Minute weniger Fahrzeit, dafür um ein Drittel weniger Lärm und Abgase. Wenn aber eine Minute ausreicht um die Emissionen um ein Drittel zu reduzieren, warum nicht gleich runter auf 50? Oder überhaupt auf der gesamten Autobahn von Golling bis Wallersee?

Das Problem liegt viel tiefer. Der erste Punkt betrifft die Abgase. Die stop-and-go-Zone von der Lehener Brücke bis nach Freilassing trägt wohl wesentlich mehr zur schlechten Luftqualität bei als die Autobahn in der Stadt. Die Verkehrsplanung hat in diesem Bereich völlig versagt. Die miserable Bilanz hinsichtlich der Pünktlichkeit der beiden O-Bus-Linien 2 und 4, welche am meisten vom Verkehr in diesem Bereich betroffen sind, ist nur ein weiteres Indiz dafür (Anm: Wenn nämlich der gesamte Verkehr steht, steht auch der Bus). Als erstes gehört meiner Meinung nach der Verkehr auf der Achse Iganz-Harrer-Straße – Münchner Bundesstraße dringend beschleunigt. Die derzeitige Situation ist eine Zumutung für die gesamte Stadt. Zweitens sollten sich alle betroffenen Ballungsräume (Stichwort: Feinstaub Graz) sofort auf ein Umweltzonenpaket nach deutschem Vorbild einigen. Dieses gehört so ausgestaltet, dass die deutschen Plaketten in Österreich anerkannt werden und umgekehrt; dass dies nur sinnvoll ist, wenn die gleichen Regeln gelten wie in Deutschland, ist dabei selbstredend. Diese Umweltzonen könnte man jederzeit ohne viel Aufwand einführen.

Das zweite Argument ist jenes der Lärmbelästigung. Hier hält sich mein Mitleid in Grenzen, die Autobahn existiert in diesem Bereich seit dem II. Weltkrieg, die wenigsten, die in den betroffenen Gebieten leben, waren vor der Autobahn da. Außerdem ist im Bereich des betroffenen Autobahnabschnitts bereits ein Tunnel angelegt worden und die weiteren Siedlungsgebiete durch meterhohe Lärmschutzwände geschützt. Sollte es nach einer möglichen Einhausung noch zu Lärmbelästigung kommen, liegt das Problem weiter oben, dann ist es nämlich der Flugverkehr. Ich bin der Überzeugung, dass es nicht möglich ist, sämtlichen Komfort (Flugverkehr, Automobilverkehr, Wohnqualität) überall zu garantieren. Es täte der Politik gut, endlich zu sagen: „Die eierlegende Wollmilchsau im Bereich der Lebensqualität wird es nicht geben.“ Man wird wohl akzeptieren müssen, dass es Gebiete in der Stadt gibt, die von Lärm stärker betroffen sind. Hier gilt es, die Stadtplanung soweit zu entwickeln, dass man Gebiete mit hoher Lärmbelastung für Firmen reserviert und Siedlungsgebiete in ruhigeren Lagen erschließt. Hier haben die Grünen in der Stadt übrigens in den letzten Jahrzehnten massive Klientelpolitik betrieben und Einzelinteressen über jene der gesamten Stadtbevölkerung gestellt. Insbesondere die starre Haltung im Bereich der Grünlanddeklaration schränkt die Gestaltungsmöglichkeiten im Stadtgebiet massiv ein.

Insgesamt scheint mir die Idee einfach zu kurzfristig gedacht. Das Problem ist das Ergebnis einer jahrelangen Fehlplanung im Bereich der Verkehrs- und Raumplanung. Hier muss angesetzt werden, um das Problem nachhaltig zu lösen.

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Warum nicht gleich ordentlich?

Irgendwie komme ich mir vor als wäre ich Phil Conners. Jedes Jahr wird über die Sinnhaftigkeit einer Sperre der Innenstadt bzw einer vernünftigen Verkehrslösung in der Altstadt diskutiert. Der Altstadtverband ist nun mit einer Idee vorgeprescht die ich für durchaus interessant halte. Die Griesgasse soll zu einer Flaniermeile werden. Die Idee hat nur einen Fehler: Es soll eine Verkehrsspur erhalten bleiben. Warum eigentlich? Kein Mensch braucht diese Spur, es ist wie immer in Österreich die „kleine Lösung“.

Die Lösung ist einfach: Der Verkehr am Franz-Josefs-Kai zwischen Museumsplatz und Ferdinand-Hanusch-Platz in beide Richtungen geführt, dort ist Platz genug. Die Griesgasse wird eine echte Fußgängerzone. Auch die Busse fahren dann nicht mehr über den Anton-Neumayr-Platz sondern über den Franz-Josefs-Kai und nach dem AVA-Hof geht es rechts zur Haltestelle. Die Haltestelle Mönchsbergaufzug stadteinwärts wird ersatzlos gestrichen, von der Haltestelle Hanuschplatz sind es nur 150 Meter mehr Fußweg. Der Verkehr aus der Münzgasse wird über den Museumsplatz in Richtung Franz-Josefs-Kai geleitet. Hier kann man überlegen ob man das Abbiegen nach Links verbietet.

Was wäre dafür zu tun? Nun als erstes müsste sowohl am Hanusch-Platz als auch bei der Kreuzung Museumsplatz/Franz-Josefs-Kai die entsprechenden Umbauten veranlasst werden. Obwohl ich kein Bauexperte bin wage ich zu behaupten, dass hier der Umbau überschaubar wäre.

Ich persönlich glaube, dass eine schöne, breite Fußgängerzone im Bereich der Griesgasse eine fantastische Lösung wäre. Der Verkehr würde auch über den Franz-Josefs-Kai ausreichend Platz finden. Es wäre zwar ein großer Schritt, aber warum soll man beim Verkehr immer kleine und halbe Lösungen anstreben.

Absurde Preiserhöhung

Der SVV erhöht mit 1. Juli also die Preise für Busfahrten. In Zeiten in denen über Klimaveränderungen, einem wachsenden Verkehrsaufkommen und vielen anderen Dingen gesprochen wird, ist dies wohl die absurdeste Idee die man haben kann. Wenn Herr Katholnig sagt „Auch Verkehrsunternehmen müssen wirtschaftlich agieren.“ dann entlarvt er sich selbst als völlig inkompetent.
Der Großteil der Verkehrsunternehmen gehört der öffentlichen Hand. Gewinne, falls sie zu erzielen sind, fließen in die Budgets der jeweiligen Eigentümer (Gemeinden, Land und Bund), das Ziel ist es daher nicht möglichst gewinnbringend zu agieren sondern den Versorgungsauftrag (nämlich den der Mobilität) möglichst attraktiv und effizient zu erfüllen. Soviel zur Theorie.
Busfahren in Salzburg ist absurd teuer. Das Argument der Vorverkaufskarten ist nicht zulässig, da es weder flächendeckend Vorverkaufsstellen noch Automaten gibt bei denen man sich vor Fahrtantritt einen Fahrschein kaufen kann. Wer in Salzburg kurzfristig und spontan in den nächsten Bus will muss die Karte bei der Lenkerin oder dem Lenker kaufen, in Zukunft für € 2,30.
Die Lösung wäre recht einfach: Fahrscheinautomaten an jeder Haltestelle (diese hätten auch 24h Stunden 365 Tage im Jahr geöffnet) und Fahrpreissenkung auf 1,50 für Erwachsene , Salzburg hätte schlagartig ein wesentlich attraktiveres Verkehrsangebot. Auch für die Lenkerinnen und Lenker wäre es eine enorme Erleichterung den Verkauf im Bus nicht mehr tätigen zu müssen. Natürlich ist die Installation der Automaten kostenintensiv, aber dafür gäbe es auch die öffentliche Hand die solche „Einrichtungskosten“ übernehmen kann.
Für den laufenden Betrieb würde es wohl heißen, dass mehr Leute öffentliche Verkehrsmittel nehmen. Da man Busse und Bahnen sowieso fahren lassen muss, kann man sich durchaus die Fragestellen ob man die notwendigen Gelder durch höhere Preise von wenigen Fahrgäste einnimmt oder ob man mehr Fahrgäste hat, die trotz niedriger Preise in Summe mehr Geld bringen? Welcher Ansatz ökologisch und sozial gerechter ist, dürfte wohl offensichtlich sein.

Österreich-Ticket, wieso eigentlich nicht?

Heute hat der ORF, man glaubt es kaum, ein Thema aus dem Archiv ausgegraben und wieder aufs Tablett gebracht. Ich bin wirklich überrascht darüber, dass ein Medium bei uns sich die Arbeit macht und eine Ankündigung der Regierung nach 3 Jahren aus dem Archiv holt und die Öffentlichkeit damit konfrontiert. Das ist nämlich guter Journalismus!

Das Projekt ist so einfach wie sinnvoll, für rund € 1.500 – € 1.800 im Jahr darf jeder in Österreich mit allen Öffis fahren. Ja bitte, warum nicht schon längst. Umgerechnet auf das Monat sind ergibt sich ein Beitrag von rund 150 €. Lächerlich, kein Mensch kann um dieses Geld ein Auto betreiben. Nur mal als Vergleich: Ein guter Freund von mir hat sich für den Fußball in Deutschland die BahnCard100 geleistet, für 350 im Monat. Gut der ist BVB-Fan und lebt in Hamburg. Trotzdem sollte man sich vor Augen führen wie wenig diese 150€ sind.

Ich mache mal ein kleines Rechenbeispiel (Kosten für das Ticket 1.800). Vorteilscard = 100€, Jahreskarte in der StadtSalzburg =400, Bahnfahrt Wien – Salzburg einfach =25€. Daraus ergibt sich folgender Umstand, wenn man die Strecke Wien – Salzburg alle zwei Wochen fahren muss/will würde sich die Karte schon auszahlen.

Abgesehen von den ökologischen Vorteilen, der Entlastung der Straßen, dem hohen Reiskomfort den die Bahn bietet würde es mir persönlich im Alltag eine große Erleichterung bringen. Die Fahrt zur Oma, zu Freunden nach Wien, zu Fußballspielen oder zum Skifahren im Winter, ich müsste nie mehr über Fahrkarten nachdenken. Mensch, das wäre richtig schön.

Wer nein sagt muss auch ja sagen

Ich gehöre neben der Fukushima-Generation auch zur Tschernobyl-Generation. Jener Generation die den Reaktorunfall in der heutigen Ukraine erleben musste. Auch an Wackersdorf-Demos habe ich als kleiner Bimpf teilgenommen, begeistert von den vielen bunten Menschen und der Musik, keine Ahnung von der Sache und den unschönen Szenen zwischen Demonstranten und Polizei.

Nun ist Fukushima passiert, was genau kann man noch nicht sagen, aber schon jetzt ist klar des nächste Beispiel ist da, was alles passieren kann wenn bei Atomkraftwerken ein Unglück passiert. Auch dieses Mal erlebt die Anti-Atom-Bewegung einen Aufschwung, meiner Meinung nach völlig zu recht. Aber wer nein zu Atomkraft sagt, muss auch ja zu etwas anderem sagen.

Und jetzt meine lieben grünen Freundinnen und Freunde hört bitte genau zu! Wer sichere und saubere Energie will muss JA sagen zu: Windkraft, Wasserkraft, Sonnenenergie und was weiß ich noch alles. Dieses ja braucht aber auch Mut wenn es um die Umsetzung geht und da steht ihr Euch leider selber im Weg egal ob es das Salzachkraftwerk in Lehen ist oder sonstige Maßnahmen immer wieder kommen Einsprüche, Bürgerinitiativen und sonstiger Plunder aus Eurem näheren Umfeld. Bitte macht endlich den Schritt in die große Welt der Politik und unterstützt solche Projekte auch einmal bei der Umsetzung.

Dieser Text mag vielleicht hart sein, aber ich bin der Meinung, dass dies nun mal eines Eurer Steckenpferde ist und ich mir in diesem Punkt einfach manchmal mehr Pragmatismus und Sinn für das „große Ganze“ wünsche.

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